Jahrespoll 2009

31.12.2009

Johanna

Lieblingssong: Sag alles ab Tocotronic, weil Gutes Jahre übersteht und nicht an Bedeutung verliert
Lieblingsalbum: Bitte Orca Dirty Projectors
Lieblingsband: The Whitest Boy Alive, mit einem Album, dass mich durch den ganzen Sommer brachte
Liveact: Jeans Team, Bodi Bill und The Whitest Boy Alive, gesehen und betanzt auf dem Immergut, weil tanzen eben immer noch das Schönste ist, als auch die Shout Out Louds, die weniger eine Band des Tanzens, denn eine für das Herz sind
Schlimmster Song des Jahres: Bulletproof La Roux
Liebling des Jahres: Jochen Distelmeyer, der mir auf seinem Konzert den großen Moment bescherte neben Olli Schulz stehen zu können
Enttäuschung des Jahres: Julian Casablancas, einerseits hätte ich gern die großen Strokes zurück, wenngleich es ebenso groß ist, sich nach drei grandiosen Alben in die musikalische Versenkung zu verabschieden, aus diesem Desaster helfen leider auch nicht die Solosongs Julians, so gern ich es doch möchte

Florian

Song des Jahres: Die Entscheidung, Kopf an Kopf in der ersten Jahreshälfte. Vor Quicksand von La Roux gewinnt für mich My Delirium von Ladyhawke. Nr. 3 wäre Daniel von Bat For Lashes, aber schon Platz 2 war hier eigentlich gar nicht mehr gefragt.
Album des Jahres: Das war in den Jahren zuvor einfacher, denn da waren Arcade Fire bzw. TV on The Radio dabei. In diesem Jahr gewinnt der Pop, endlich und geradlinig: Lady Gaga - The Fame Monster.
Band des Jahres: Da war ja viel gekonnt Seltsames, nach dem MGMT-Jahr, z.B. Empire of the Sun. Aber, nein, die können es nicht sein. Band des Jahres: The Whitest Boy Alive, mit ihrem zweitbesten Album.
Liveact des Jahres: Noch subjektiver als die Platte der Stunde muss naturgemäß der Liveact des Jahres sein. Ich muss an dieser Stelle, in Ermangelung an herausragenden Konzerterlebnissen in diesem Jahr, das Ausschlußverfahren anwenden: Gekillt werden, wegen unterschiedlicher Unzulänglichkeiten in der Darbietung: Bodi Bill, The Whitest Boy Alive (Astra) und The Whitest Boy Alive (Tape). Sämtlich gänzlich gestrichen vom Anwärterposten wegen Untererfüllung meiner zugegebenermaßen teilweise überhöhten Erwartungen an die Künstler. (Ausgelassen hab ich einige von den Neo-Hippies, deren Name mir jetzt entfällt bis hin zu den Monsters of Folk).
Was tatsächlich dem Wahrgenommenen entspricht: Einzelne DJ-Sets fand ich teilweise spannender, als das von den zuerst Genannten Vorgetragene. Wo wäre ich gerne dabei gewesen? Nein, nicht das Mauer-Konzert von Bon Jovi, aber doch der via YouTube wahrgenommene Auftritt der Lady Gaga bei den MTV Music Awards („...and then came the blood!"). Bitte auch beachten: Auftritt bei „The X-Factor", „American Music Awards", „Museum of Contemporary Arts, Los Angeles". "Could we fix you if you're broke?" - der König des Pop war nicht zu retten, aber die Popmusik, die lässt sich retten, jedenfalls hält sie jemand über Wasser.
Schlimmster Song: Der Weghörer des Jahres ist von mir nicht zu fassen, nicht beim Namen zu nennen. Er kommt täglich, kurz vor Mitternacht bei Radio Eins. Eine Mischung aus Ennio Morricone und spanischer Gitarre in Cafe Del Mar-Mode. Sehr schlimm, warum hört das nie auf, ich ärgere mich so oft!
Enttäuschung des Jahres: Die unerbittliche Fortführung des Einheitsbreis. Es sind überall dieselben Töne, die unsere Ohren zerfressen. Ein Beispiel: Black Eyed Peas - I Gotta Feeling.
Liebling des Jahres: Unglaublich, so schwer es mir fällt, die Enttäuschung des Jahres zu benennen, so leicht ist es den Liebling des Jahres, wenn nicht gar des Jahrzehnts, herauszubrüllen. Sie ist nichts weniger als die Befreiung der Popmusik, sie ist Lady Gaga. Wer sonst schreibt Hits, singt Hits und ist sich weiter voll im Klaren darüber woher all das kommt (Queen, Bowie, Abba, Madonna, Hitchcock, Warhol, Kubrick, Rilke, Jackson) und wohin es führt (Queen, Bowie, Abba, Madonna, Hitchcock, Warhol, Kubrick, Rilke, Jackson). Wer soll die Krone des Verstorbenen und den Zepter der Darbenden übernehmen, wenn nicht dieses hässliche Entlein aus New York? Liebling des Jahres kann nur Lady Gaga sein. Sie, samt ihres >Haus of Gaga<, ist die Existenzberechtigung oder wenigstens die Verlängerung des klassischen Pop im neuen Jahrtausend. Pop Art nicht vom Roy und nicht vom Andy, sondern von einer Kreativ-Fabrik namens Gaga. Das ist gekonnt einfach und gekonnt effektiv: Das haben all die Folgsamen der Marketingabteilungen, namentlich die Britneys, Beyonces und Rhiannas, sich bislang nicht zu trauen gedacht - nein, sie haben den Pop vielmehr jahrelang zu Grunde gerichtet. Eines ist sicher: Ohne die Gaga wird Popmusik in den nächsten 10 Jahren nicht besser sein als das, war wir in den 10 Jahren zuvor erlebt haben: Pop, gähnend langweilig, geradezu zum fremdschämen prädestiniert!
„Is this it?" fragten „The Stokes" zu Beginn des Jahrzehnts - „This is it!" ist die Antwort, nur wenige Tage vor dem Ende einer rückgradlosen Popdekade, in der der einstige „King of Pop" kaum wirken konnte. Eines ist sicher: alles zeigt mit ausgestecktem Arm, geöffnetem Mund und blankem Finger auf die First Lady des Pop! „This is it!"

Zurück

Einen Kommentar schreiben

*
*
Was ist die Summe aus 3 und 6?*